12
Jul

Road to Roth – The Tom Way

Los ging das ganze ja schon letztes Jahr mit dieser „Road to Roth“. An diesem Montag nach dem Rennen in dem Jan Frodeno einfach alle bisherigen Rekorde pulverisiert hat. Am Montag um 5.50 Uhr stand ich mit vielen Hunderten Menschen in der Schlange. In der Schlange um ein Jahr später „angebliche“ Qualen zu erleiden. Damals konnte ich mir das noch nicht so vorstellen. Nach meinem ersten Marathon und nach vorgestern, sage ich allen, die auch eine Langdistanz machen wollen: Es tut verdammt weh und „Quäl dich du Sau“ war noch nie so zutreffend. Und (!) es macht mindestens 100 mal so viel Spaß, wie man es sich vorher ausgemalt hat.

Die Profi Bikes Bewundern

Los ging das Abenteuer am Freitag in der Früh mit dem lockeren Testschwimmen im Kanal. Ziemliche Brühe war das schon. 2 Meter weit habe ich gesehen und danach kam das Dunkel. Was dagegen gut war: Temperatur und Wassergefühl. Ich finde, dass es am Wochenende die perfekte Schwimmstrecke gegeben hat. Der Test hat mir aber auch gezeigt, dass die Strecke verdammt lang werden kann. Im Wasser von Brücke am Schwimmstart zur Brücke an der ersten Wende zu schauen flößt schon Respekt ein. 1400 Meter von Brücke zu Brücke. Sieht im Wasser deutlich schwerer aus. Schnell wieder raus aus dem Wasser, bevor ich mir das mit Sonntag anders überlege. (Hätte ich natürlich nicht, wenn ich noch länger im Wasser gewesen wäre).

Frisch war es am Freitag – für mich Fan des heißen Wetters – schon etwas, sollte aber im Laufe des Wochenendes immer wärmer werden. Am angenehmsten war es sicherlich am Sonntag um 14 Uhr auf der

Laufstrecke bei bis zu 33 Grad. Aber am Freitag bin ich noch mit Sweatshirt auf der Messe rumgelaufen. Habe dort meine Startunterlagen abgeholt. Nummer 236, Startgruppe 3, Startzeit 6.40 Uhr. Das erste, richtige Kribbeln im Bauch kam nach der Frage „Startpass, Personalausweis“. Kurz darauf hatte ich meine Startunterlagen in der Hand. Oben drauf gab es noch einen coolen Rucksack (Vong Design her, mal sehen was die Qualität kann).  Danach ging es in die Unterkunft und das Zimmer wurde bezogen. Alle 3819 benötigten Sachen wurde Systemfrei in alle Ecken verteilt, um in einem Anflug von Kontroll- und Ordnungswahn wieder sortiert zu werden.

Bevor es zur Pasta-Party wieder nach Roth ging, habe ich die Sachen dann in Reih und Glied passenden (ungefährt zumindest) auf die Beutel verteilt. Zusammengepackt und wieder auf das Zimmer verteilt. Dann aber los wieder in die Stadt. Noch zwei Plätze für die derzeitigen Hauptsponsoren und das Supportteam – Mum & Dad – für das Nudelessen besorgt. Im Zelt war es unglaublich warm, so warm wie am Sonntag auf der Laufstrecke. Demnach haben wir uns fix einen Platz draußen ergattert und die Nudeln, sowie das ein oder andere Alkoholfreie Weizen vernichtet. Also die anderen das Weizen, ich bin bei Wasser und Saft geblieben.

Danach locker nach hause und ab ins Bett. Der Samstag sollte auch Ereignisreich werden.

Begonnen hat er mir 21km Radfahren auf unbekannten, schönen und welligen Strassen und geendet hat er mit dem Bettchen bereits um 21 Uhr. Dazwischen bin ich kurz gelaufen, habe das Rad eingeckecked, die Laufsachen abgegeben, auf der Messe Socken gekauft und sogar nochmal zum Italiener sind wir gegangen.

Am spannendsten war es sicherlich in der Wechselzone 1 als ich mein Fahrrad zwischen den vielen weiteren Hightech-Geräten zu dem Holzständer gebracht habe. Ein unglaublich schönes Gefühl am Kampfrichter vorbei in die Wechselzone und dann in die dritte Reihe an Rädern zu gehen. Vor allem das eigene dann in diese Reihe zu stellen und bis zum nächsten Tag dort zu lassen. Zwischen dem Momement mit dem Kampfrichter und dem Verlassen der Wechselzone habe ich bestimmt noch 27 mal überlegt was ich in meine Beutel tun soll und was am Rad bleibt. Am Ende: Startnummer und ein Notfall-Gel in den roten Schwimmbeutel, der Rest am Fahrrad. So hat es auch perfekt Funktioniert.

Am legendären Schwimmstart

Viel mehr gibt es zum Samstag auch nicht zu sagen. Duschen und Schlafen. Sogar ganz gut geschlafen; bis um 3.45 Uhr der Wecker geklingelt hat. Es gab ein kleines Frühstück und einen letzten Check der Taschen und schon saß ich im Auto auf dem Weg nach Hilpolstein. Um 4.45 standen wir auf dem Parkplatz gegenüber vom Radsport Buchstaller. Die Zeit von der Ankunft bis zum Startschuss habe ich auch wirklich gebraucht. Nochmal alles durchgegangen, die Reifen aufgepumpt, die Startnummer und den Beutel abgelegt, die Wechselzone abgegangen, ein Team-Foto geschossen. Sogar für Warm-Machen war im ganzen Trubel um das Rennen noch Zeit. Um 6.15 hatte ich alles fertig. Der Grüne Beutel lag im LKW und der Rest wurde kurzerhand Mama in die Hände gedrückt.

Dann: Neopren. Anziehen über den Einteiler, nochmal etwas Melkfett in den Nacken und ein paar letzte Male die Arme kreiseln lassen. Währenddessen ertönte der erste Kanonenschlag und das Rennen für die Profis hat begonnen. t-10 Minuten für mich. Ich stellte mich mit den anderen 6.40 Startern in den Pre-Swim Block und genoss den Blick aus dem Käfig auf die Zuschauer auf und neben der Brücke. Diese 5 Minuten des Wartens und der Anspannung gingen unglaublich schnell vorbei. Schon lag ich mit 200 schnellen AKlern im Wasser. Ein geiles Gefühl an die Startlinie eines der größten und bekanntersten Triathlons zu schwimmen. Die kurze Distanz vom Einstieg bis zur Startlinie hat perfekt (für mich) zum Einschwimmen gereicht.

Ab geht´s auf´s Rad

Einsortiert habe ich mich zwischen dem großen Boot in der Mitte des Kanals und dem kleinen Schlauchboot, welches die Startleine hochgehalten hat. Ich bin kurz vor dem Start ein paar Plätze nach hinten gegangen. Grund dafür: Die anderen Schwimmer und Starter sahen nämlich alle verdammt schnell aus. Also war es die 3-4 Startreihe. 5 Finger wurden in die Luft gestreckt, 4, 3, 2, Druck auf die Uhr, Checken das Sie läuft, 1, Fahne geht nach unten, Leine nach oben, Knall auf der anderen Kanalseite. Ab Gehts.

Die Prügelei von Königsbrunn war gar kein Vergleich zu Roth. In Königsbrunn habe ich auf die selbe Anzahl Starter die ersten 100 Meter eingesteckt. In Roth war davon überhaupt nichts zu spüren. Alle starteten fair und gesittet um mich herum. Schnell habe ich mich frei geschwommen und ein paar gute Beine vor mir gefunden. Vielen Dank fürs super Schwimmen unbekannter Weise an die beiden „Vor-Schwimmer“, welche mich durch den Kanal gezogen haben. Und das in der Zeit von 56.26 – 30 Sekunden vor meiner Zielzeit von 57 Minuten. Ziemlich entspannt ging es für mich aus dem Wasser. Etwas zu entspannt vielleicht, aber das ist die Geschichte vom Schwimmen in den kommenden Jahren. Den Neo habe ich super ausgezogen bekommen und den Beutel gegriffen. Im Zelt dann fast alles komplett runter gerissen und die Startnummer in die Hand gedrückt bekommen. Die Helfer in Roth sind unglaublich auf Zack und super im Wechselzelt (GANZ GROSSES DANKE!). Alle Schwimmsachen wurden in den Beutel gepackt und ich konnte direkt los Richtung Rad. Also zumindest nachdem ich meine Startnummer richtig herum angezogen hatte. Kleines Schmunzeln der Helfer als ich kurz zum Stehen kam und gesagt habe: „Oh, falsch Rum.“ Startnummer wieder runter und richtig herum angezogen.

Auf dem Weg zum Rad habe ich dann die Ärmel von meinem Anzug über die Schultern gezogen. Bis zum Rad hatte ich auch den Reisverschluss zu (Kienle-Gate-Frankfurt – Sein Reisverschluss war gerissen). Helm auf, Fahrrad genommen, los gerollt. Etwas gewundert hat mich, dass die Räder der fit-aussehenden Jungs alle noch in der Wechselzone standen. Um mein Rad herum überall Räder. Ist ja sehr positiv und hat mich wirklich gefreut so viele Bikes noch zu sehen. Demnach war es auf der Radstrecke direkt etwas einsam, aber so konnte ich mich total auf meine Radfahrt konzentrieren. Den Puls habe ich auf dem Stück von Hilpolstein bis Eckersmühlen sehr gut runter bekommen und direkt meinen Rhythmus gefunden. 135-140 Schläge im Flachen, maximal 155 Berg auf. Und das habe ich 177,1 Kilometer von Hilpolstein über Greding nach Hilpolstein über Greding nach Hilpolstein und dann nach Roth durchgezogen.

Teufel Paul macht Feuer unterm Hintern

Die absoluten Highlights:

  • Der Teufel aus Augsburg am Kalvarienberg in Greding. Danke Paul für diese mega coole und super motivierende Aktion. Auch an Sophie die mich am Berg angefeuert hat und die beiden Mädels aus der Jugendherberge. Hab euch dort schon gesehen 😉
  • Die Welt-Untergangs-Gewitter-Wolke hinter mir. Ich hatte mich in der 2. Runde schon auf Regen ab Eckersmühlen eingestellt. In Runde 1 hat sie mich aber motiviert schneller wieder in den Norden zu kommen und vor ihr weg zu fahren.
  • Der kurze Anstieg vor Hilpolstein an dem die Kemptner Support Crew gestanden ist. Der Anstieg war bereits unglaublich. Da hatte ich tatsächlich Freudentränen in den Augen (Weshalb sich auch eine Kontaktlinse bald verabschiedet hatte).
  • Der 2xu Anzug an diesem einen Berg
  • Dieser eine Berg – ihr wisst schon, der eine Berg halt – in der zweiten Runde. Man fährt in die Kurve ein und sieht vor lauter Menschen die Strecke nicht mehr. Man hört nichts mehr, aber die Birne dröhnt vor Lärm. Der Puls ist verdammt hoch (über 155) aber man fährt so locker den Berg hoch. Man erkennt die Gesichter, aber sieht doch keinen einzigen Menschen. Man Grinst über beide Backen. Unglaublich.
  • In der zweiten Runde als einer der jüngsten Startern in Eckermsühlen angekündigt zu werden. Mega cool.
  • Ein Fan an der Strecke Anfang von Runde 2: „Auf geht´s, weiter so, 35 Minuten auf Frommhold (als er noch im Rennen war).“ Meine Antwort: „Das schaffe ich locker noch, bin ein guter Läufer“. Fanden Sie lustig und mich hat das nochmal gepusht. Allgemein der Support von allen Menschen die dich anfeuern, als würden Sie dich seit 1995 kennen.

Das waren alles die coolen Dinge. Etwas bitter war, dass kurz vor mir zwei Personen gestürzt sind. Wie genau weiß ich nicht, aber es war bereits Hilfe dort. Gute Besserung. Und auch meine Beine wurden dann bald schwer. Zwar nicht zwischen KM 120 und 150, wie von vielen vorhergesagt, aber Gefühlt bei Kilometer 150,029. Es wurde etwas härter den Puls unten zu halten, aber bis zur Wechselzone 2 war es dann auch nicht mehr weit. Nach zwei mal links – nach der Biermeile – „endlich“ rechts einzubiegen war schon ein sehr, sehr cooles Gefühl. Noch 4km bis zum Laufen. Die Frage von mir an mich war bloß: Wie soll ich jetzt noch 3h10 Minuten laufen. Naja, das beantwortete sich dann nach einem schnellen Wechsel und kurzer Klo Pause relativ schnell. Die Beine waren gar nicht so weich vom Radfahren, sondern direkt da und ich konnte Gas geben. Kilometer 1: 4.16 (Berg Runter). Kilometer 2: 4.13 (Anstieg wieder hoch). Eventuell (Dramatische Handgeste dazu) etwas zu schnell. Oben auf dem Weg zu Speck Pumpen habe ich dann meine Pace (~4.30 isch) gefunden und bis Kilometer 30 gehalten. Dann wurde es hart. Der Kilometerschnitt ist  auf 5.30 und dann sogar beim vorletzten Kilometer auf unter 6 Minuten gefallen. Jede Verpflegungsstation bin ich gegangen, Cola und Wasser, Cola und Wasser. Dann wieder anlaufen und bis zur nächsten Station fighten. Zwischen durch gehen, anlaufen, Mentalen-Motivations-Punkt suchen, gehen, wieder anlaufen. Die Kilometer 33 bis ins Ziel waren unglaublich schwer. Wieder nach Büchenbach hoch, Runter, Rum um den Weiher, wieder hoch. AAAHHHHH. Jeder Meter nach Oben tat so weh wie die Summierten Kilometer vorher. Aber ich hab die Arschbacken zusammen gekniffen und weiter gemacht.

Raus aus Wechselzone 2

Warum hab ich weiter gemacht. Wieso hab ich nicht einfach aufgehört. Selbst hier beim schreiben merke ich meine Oberschenkel noch. (GROSSES) ABER: Der Kampf war es Wert, weil ich bei Kilometer 23 den zweiten Tom in der AK20 überholt habe, weil ich den vielen Supporter aus Augsburg einen Zieleinlauf zeigen wollte, weil Roth einfach geil war, weil .. Fragt mich persönlich, ich erzähle euch 101 Gründe warum ich weiter gemacht habe. Nun aber zur AK und dem Tom: Er war in der Startgruppe 1 in der Früh gestartet und hatte an der ersten und zweiten Wende beim Laufen „noch“ 6 Minuten. Bei der Verpflegungsstation Speck (Runde 2) ist er dann das erste mal gegangen (hat er mir nach dem Rennen erzählt). Damit war ein  Tagesziel erreicht und das wollte ich (natürlich) ins Ziel bringen. Im Rother Stadion hatte ich dann noch einige Sekunden auf ihn Vorsprung und natürlich die 10 Minuten, welche er früher gestartet ist.

So lagen wir dann zusammen auf dem Teppich hinter dem Zielbogen. Ansprechbar: Er etwas mehr, ich nur so halb. Da ich beim Gehen (im Rennen in den Verpflegungsstationen) bereits etwas in Schlangenlinien unterwegs gewesen bin, war mir klar, dass ich alles gegeben habe. Mehr noch als alles gegeben fanden auch die netten Helfer des BRK. Bei Ihnen hatte ich nach kurzer Zeit mit der Support Crew im Ziel, mein neues Domizil gefunden. Zu trinken gab es dann endlich auch etwas. Zwar intravenös und es war eine Infusion, aber es war rein theoretisch etwas zu trinken. So lag ich erstmal 30 Minuten in Besten Händen (danke an die Ärzte und Schwestern) bevor ich mich zur (langen) Massage und dem (viel zu viel) Essen im Ziel aufgemacht habe.

Alles in allem: War ganz nett in Roth (leichte Untertreibung), hab alles gegeben (noch eine leichte Untertreibung) und bin zufrieden (die leichterste Untertreibung von allen). Unglaublich zufrieden bin ich, dass es wirklich für den ersten Platz in der AK gereicht hat. Etwas schade ist, dass die Laufstrecke mir den Stecker gezogen hat. (1h35 auf den ersten HM und dann 1h50 auf den zweiten), aber ich bin umso glücklicher das ich den Fight gegen meinen Kopf und meine Beine gewonnen habe. Und für die nächste Saison werden dann einfach auch mal wellige Laufstrecken ins Training aufgenommen.

Summa Summarum können diese 2000 Worte in diesem Blog nicht beschreiben was das Wochenende für mich gewesen ist. Ich freue mich auf das was kommt. Bis Samstag überlege ich, wie die nächsten Jahre laufen sollen und welche Rennen ich gerne machen und welche Ziele ich erreichen will.

Viele Grüße, #WerTrainiertHatsNötig

Tom

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